Dienstag, 30. April 2019

Jules Verne: Die Kinder des Kapitän Grant

Die Kinder des Kapitän Grant ist ein Roman des französischen Autors Jules Verne. Der Roman erschien erstmals 1867/1868 in drei Bänden unter dem französischen Titel Les Enfants du Capitaine Grant von dem Verleger Pierre-Jules Hetzel veröffentlicht. Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 1875 unter dem Titel Die Kinder des Kapitän Grant. Es ist, neben dem Roman Die geheimnisvolle Insel, Jules Vernes umfangreichstes Buch.
Der schottische Lord Glenarvan findet auf der Jungfernfahrt seiner Dampfjacht Duncan im Magen eines erlegten Hammerhaies eine Flaschenpost. Sie birgt drei Schriften, je eine auf Deutsch, Englisch und Französisch. Aus der Kombination dieser teilweise vom Salzwasser zerfressenen Mitteilungen ergibt sich, dass der verschollen geglaubte Kapitän Grant mit zwei Matrosen einen Schiffbruch überlebt hat. Nur die geografische Breite, 37° 11‘ südlich, ist lesbar, nicht aber die Länge. Aus den Wortfetzen „gonie“ und „indi“ schließt man, Grant sei möglicherweise von Indianern in Patagonien verschleppt worden. Glenarvan beschließt, seinen schottischen Landsmann Grant zu retten.
Die Duncan wird für die Reise nach Südamerika ausgerüstet. Neben Glenarvans frisch angetrauter Gemahlin – Lady Helena – nehmen sein Vetter Major MacNabbs sowie Grants Kinder, der zwölfjährige Robert und seine 16-jährige Schwester Mary, an der Reise teil. Mit an Bord der Duncan reist Jacques Paganel, ein zerstreuter französischer Geograf, der sich aufgrund einer Schiffsverwechslung auf der Duncan eingeschifft hat. Durch Paganels Mund flicht Jules Verne im weiteren Verlauf der Handlung umfangreiche geografische Belehrungen in den Text ein.
Nach zügiger Fahrt erreicht die Jacht Südamerika. Lord Glenarvan und seine Gefährten durchqueren den Kontinent entlang des 37. Breitengrades. Dabei geraten sie in den Anden in ein Erdbeben. Robert wird von einem Kondor entführt, kann jedoch gerettet werden. Sie finden in Südamerika keine Spur der Verschollenen. Als sie während ihres Rittes über die Pampa in eine Überschwemmung geraten, können sie sich auf einen Baum retten. Während sie auf dem Baum festsitzen, beschäftigt sich Paganel mit der Interpretation der Flaschenpost. Er glaubt nun, der Wortfetzen „austral“ deute auf Australien hin, „indi“ im französischen Text verweise auf „indigenes“, Eingeborene. Wieder an Bord der Duncan, steuert die Besatzung den fünften Kontinent an.
An der Westküste von Australien brechen die Gefährten zu einer Expedition durch das Land auf, die im Sturm beschädigte Duncan wird nach Melbourne zur Reparatur geschickt. Dort soll sie die weiteren Befehle von Lord Glenarvan erwarten. Bald treffen sie auf Ayrton, einen ehemaligen Matrosen Kapitän Grants. Er berichtet, der Schiffbruch habe sich an der Ostküste ereignet. Er selbst habe bisher geglaubt, der einzige Überlebende zu sein. Ayrton rät dem Lord und seinen Gefährten, mit ihm den Kontinent zu durchqueren. Unterwegs ereignen sich mysteriöse Zwischenfälle, die am Ende dazu führen, dass die Reisenden hilflos in der Wildnis festsitzen. Ayrton wird von dem misstrauisch gewordenen Major MacNabbs als Ben Joyce, Anführer einer Bande entflohener Sträflinge und Verursacher der Zwischenfälle, entlarvt. Ayrton schießt auf Glenarvan und entflieht. Der Lord, durch den Schuss an der Hand verletzt, diktiert dem Geografen einen Befehl an die Duncan, vor der nur wenige Tagesreisen entfernten Ostküste zu kreuzen, um die Gefährten aufzunehmen. Doch der Bote wird von Ayrtons Bande überfallen, dieser selbst bemächtigt sich des Briefes und eilt nach Melbourne. Er plant, das Schiff an der Ostküste in die Hände der Verbrecher zu spielen, um als Pirat im Pazifik zu kreuzen. Entkräftet und tief enttäuscht erreicht Glenarvan mit den Seinen die Küste: Das Unternehmen, Grant zu finden, ist endgültig gescheitert, die Duncan an die Seeräuber verloren, die treue Besatzung wohl getötet. Man beschließt, über Neuseeland in die Heimat zurückzukehren.
Vor Neuseeland erleiden die Gefährten Schiffbruch. Zwar können sie sich zur Küste retten, fallen aber bald kannibalischen Maori in die Hände. In der Nacht vor der Hinrichtung gelingt die Flucht. An der Küste treffen sie überrascht auf die völlig unversehrte Duncan: Paganel hatte bei Glenarvans Diktat in seiner Zerstreutheit „Neuseeland“ statt „Australien“ geschrieben. Daran hat sich der Schiffskommandant stur gehalten. Ayrton, der seinen Plan scheitern sah, hatte so heftig dagegen protestiert, dass er von der Mannschaft eingesperrt wurde.
Glenarvan ordnet die Rückkehr nach Schottland an, dort soll Ayrton dem Gericht überstellt werden. Dieser ringt dem Lord jedoch die Zusage ab, auf einer weit abgelegenen, unbewohnten Insel ausgesetzt zu werden. Für dieses Exil wählt man die Maria-Theresia-Insel. Auf ihr findet man den so lange gesuchten Kapitän Grant und seine beiden Matrosen. Jetzt klärt sich auch die entscheidende Fehlinterpretation auf: Den Wortfetzen „abor“ im französischen Text hatte man als „aborder“, „an Land gehen“, gedeutet. Tatsächlich wäre es als „Tabor“, der französische Name dieser Insel, zu lesen gewesen.

Jeder der drei Teile des Romans beschreibt die Abenteuer von Lord Glenarvan und seinen Mitstreitern.
Band 1: Südamerika
Band 2: Australien
Band 3: Neuseeland
Ich bin über den Disneyfilm auf den Roman aufmerksam geworden. Trotz mehrfacher Verfilmungen gehört der Roman jedoch nicht zu den bekannten Werken des Autors, obwohl er verdient hätte im selben Atemzug wie "20 000 Meilen unter dem Meer", "In 80 Tagen um die Welt" oder "Reise zum Mittelpunkt der Erde" genannt zu werden.
Tatsächlich gibt es auch einige Aspekte, die man kaum in anderen Verne-Romanen findet:
Frauen (Lady Helena und Miss Grant) spielen eine größere Rolle und durch den Geographen Paganel werden die Abenteuer auch humorvoll aufgelockert.
Manchmal mutet der Roman etwas fremdartig an, vor allem in Bezug auf die Einwohner der besuchten Gegenden. Vernemäßig erfährt man natürlich auch einiges über die Erforschung und Entdeckung der Kontinente/Inseln.
Aber, bedenkt man die Zeit in der die Abenteuer entstanden ist, so darf man gewisse rassistisch anmutende Bezeichnungen und Vorurteile nicht in die heutige Zeit übertragen (umgekehrt funktioniert das genauso wenig).

Jules Verne ist ein Klassiker gelungen, der zu Unrecht in der Versenkung verschwindet.

Inzwischen gibt es auch zahlreiche Ausgaben des Romans.
Ich besitze die deutsche Gesamtausgabe der Vernewerke, die es sehr günstig für den Kindle gibt. Nun ja, einschließlich merkwürdiger Bezeichnungen und Rechtschreibfehlern, aber ich habe mich daran gewöhnt und irgendwie finde ich es passend ... aber das habe ich bei anderen Büchern des Autors bereits erwähnt.
Natürlich bekommt man auch die Einzelbände für den Kindle umsonst, mit denselben Attributen.

Ich kann mich erinnern, dass ich als Jugendlicher die Bücher aus dem Pawlak-Verlag verschlungen habe. Diese gibt es allerdings nur antiquarisch (wenn überhaupt).
Über die derzeit im Handel erhältlichen Bücher (das Gesamtwerk Vernes betreffend) kann ich mich nicht äußern.

Aber (und ich weiß, dass ich mich wiederhole) ... die Romane Jules Vernes dürfen nicht vergessen werden.



Kommentare:

  1. Hallo Martin,
    ich denke, ich werde Jules Verne mal wieder auf meine Leseliste setzen. Diesen Roman kannte ich noch gar nicht. Klingt spannend - und wenn es mal gute Frauenrollen gibt, mag ich das auch.
    LG
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,
      Erwarte nicht zu viel. In den meisten Romanen von Verne glänzen Frauen meist mit Abwesenheit. In diesem Fall gibt es zwar zwei wichtige Frauenrollen, aber die eigentlichen Abenteuer werden von den Männern bestritten.
      LG
      Martin

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