Mittwoch, 14. Januar 2026

Robert Bloch: Psycho (Rezension)

Die junge Mary Crane soll für ihren Chef, einem unsympathischen Immobilienmakler, 40.000 Dollar auf die Bank bringen und beschließt stattdessen, in einem anderen Bundesstaat ein neues Leben anzufangen. Auf dem Weg in das kleine Städtchen Fairvale, wo ihr Verlobter wohnt, verfährt sie sich jedoch, sodass sie sich gezwungen sieht, in einem abgelegenen Motel zu übernachten. An der Rezeption begrüßt sie ein etwas linkischer Mann mittleren Alters. Sein Name ist Norman Bates.
Alfred Hitchcock hat PSYCHO berühmt gemacht ... alleine die Duschszene dürfte jeder kennen, selbst wenn das Gesamtwerk unbekannt ist ... aber... manche Filme haben auch heute nichts an ihrer Faszination verloren, und PSYCHO gehört dazu. Vielleicht könnte man behaupten, dass der Film vor allem wegen Anthony Perkins' Darstellung des Norman Bates Unsterblichkeit erlangt hat (zusätzlich natürlich aufgrund der Duschszene) aber ... das Buch wird wohl immer ein Schattendasein führen. Obwohl es interessant ist beides zu vergleichen. Denn ... hier kann man nicht sagen dass die Verfilmung schlechter ist als die Vorlage, ein Mythos der oft und gerne benutzt und nicht hinterfragt wird. Tatsächlich muss man sagen, dass hier sowohl Film als auch Buch so unterschiedlich sind, dass man beides getrennt voneinander betrachten muss. Denn Hitchcock hat sich Blochs Vorgabe vorgenommen und etwas anderes daraus gemacht. Und dennoch lohnt sich auch heute noch das Buch zu lesen.
Das Buch lebt (wie der Film, aber anders) von Norman Bates. Er ist es der die Geschichte größtenteils erzählt, und es ist seine Sicht wie der Leser das geschehen aufnimmt. Dass es dann doch anders ist, mag man ahnen, wenn man den Film kennt, aber trotzdem bleibt man vor Überraschungen nicht verschont. Das Buch ist spannend von Anfang an, auch wenn man erst nach und nach erfährt was es mit dem einsamen Hotel auf sich hat. Manchmal verspürt man sogar Mitleid mit Norman Bates, der so hilflos wirkt und stark von seiner Mutter abhängig ist. Aber Sympathien weckt er nicht. In seiner Art (die so ganz anders ist als im Film, aber ich werde mir von nun an weitere Vergleiche sparen, denn .... es geht um das Buch, nicht den Film) wirkt er regelrecht abstoßend und etwas unheimlich. Bloch erzählt seine Geschichte leise und langsam, mit vielen inneren Monologen, was im starken Gegenteil zur angewandten und beschriebenen Brutalität wirkt. Das Ende ist dann wieder etwas nüchtern, und gleicht eher einer Nacherzählung. Der Leser ist nicht direkt dabei, er erfährt den Hintergrund von anderen. Aber dadurch verliert die Geschichte, die man als Thriller, Krimi oder Horror bezeichnen kann, nichts an ihrer Faszination. Mehr als einmal wird dem Leser ein leichter Schauer über den Rücken fahren und das bei Szenen, bei denen es nicht erwartet wird. Vielleicht ist es auch eine gewisse Art von sadistischer Vorfreude (oder Angst?) die dazu führt.
Das Buch hat es nicht verdient im Schatten des Films zu stehen. Wer einen spannenden Thriller nach Art eines Kammerspiels mag, oder sich einfach an Klassikern der (moderneren) Literatur versuchen möchte, sollte sich einfach an die Lektüre wagen. Nach wie vor wird man mit einem erstklassigen Schocker belohnt.

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