Freitag, 29. August 2025

Olivia Monti: Die Toten von Nebenan (Rezension)

Nach einem Fahrradunfall kehrt Frau Löffler nach Hause zurück – und findet ihr Viertel völlig verändert vor. Erst trifft sie auf längst verstorbene Nachbarn, dann steht auch noch ihre tote Großmutter in der Tür! Bald stellt sie fest: Sie selbst ist eine der Toten. Im Jenseits hausen die Toten – für die Lebenden unsichtbar – in ihren alten Häusern und führen ihre gewohnten Routinen fort. Doch der trügerische Frieden wird zum Höllenritt, als der charmante Herr Tober ins Viertel zieht und den Toten ein Paradies auf Erden verspricht, wenn sie die Lebenden aus dem Viertel vertreiben. Der Preis? Nur ein wenig Angst und Schrecken …

Olivia Monti kombiniert in DIE TOTEN VON NEBENAN eine interessante Ausgangssituation mit beklemmender Atmosphäre. Die ruhige, fast alltägliche Stimmung eskaliert zunehmend, was einen treffenden Kontrast bildet zwischen dem friedlichen Jenseits und den dunklen Absichten des Antagonisten Herr Tobers. Wenn die Charaktere nicht tot wären, könnte man fast von einer normalen Nachbarschaftgeschichte reden, mit den üblichen Animositäten und Gefühlen wie NEID, HASS und natürlich den einem oder anderen Vorurteil. Olivia Monti zeigt, dass es bei den Toten auch nicht anders ist, und regt durch ihre Ansichten (bzw. die der Protagonisten) zum Nachdenken an. Was kommt nach dem Tod? Gibt es ein Jenseits oder vielleicht doch ein Paradies auf Erden, wie auch immer das dann aussehen wird. Neu ist die Idee nicht, findet aber selten Verendung, jedenfalls ist sie mir nicht oft untergekommen (auch wenn ich mich an Ähnliche Szenarien während meiner lange zurückliegenden Rollenspielzeit denke).
Die Handlung ist nicht reißerisch, teilweise sehr langsam und selbst der große Showdown ist als solcher kaum zu erkennen. Die Idee, wie sich die Protagonisten gegen den Antagonisten wehren, kann man als interessant bezeichnen, passt auch zum restlichen Erzählstil, sorgt aber auch für eine gewisse Langatmigkeit. Ich kann nicht sagen, dass die Geschichte spannend ist, sie lebt (mehr oder weniger) von den Bedürfnissen/Wünschen/Ansichten der handelnden Personen, die (mit Ausnahme von Herrn Tober vielleicht ... in gewissem Grade) nicht unbedingt als Gut oder Böse bezeichnet werden können. Menschen wie du und ich, aus dem Leben gegriffen, nur eben tot.
Die Charaktere erscheinen bewusst distanziert – nur mit Nachnamen, was ihre emotionale Wirkung verstärkt, aber auch ihre Fremdheit in der Geistergemeinschaft betont. Ihre Gedanken, Ängste und Zwiespälte bleiben nachvollziehbar und tragen zur düsteren Gesellschaftskritik bei. Leider entsteht auch beim Leser eine gewisse Distanziertheit, die Geschichte wirkt kalt und gefühllos, da man (oder zumindest ich) keinen Bezug zu den Figuren aufbauen kann. Und das war der größte Schwachpunkt ... trotz aller Gesellschaftskritik berührt mich die Geschichte nicht. Mir fehlt der Zugang zu den Charakteren, sie sind mir egal. Es ist wie das reale Leben, irgendwie, meine Nachbarn interessieren mich auch nicht. Und ob es sich um Frau Löffler aus dem Roman oder Frau Müller von nebenan handelt ... man hört sich die Geschichten an, aber das Interesse ist eher gering. Und so würde ich DIE TOTEN VON NEBENAN Freunden von Geistergeschichten nicht empfehlen. Vielleicht mag der Roman aus gesellschaftskritischer Sicht interessant sein und sich auch schnell lesen. Wenn man sich aber nicht daran machen will den Roman (bzw. die Charaktere und ihre Beweggründe) zu analysieren ... gibt es meiner Meinung nach keinen Grund, das Buch zu lesen. Über den erstaunlich hohen Preis werde ich mich nicht weiter äußern (ebook für 22,10 €, gebundenes Buch mit 296 Seiten für 27,10 €)

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