Montag, 30. Dezember 2024

Ramsey Campbell: Der Wahnsinn aus der Gruft (Rezension)

Ramsey Campbell wurde 1946 in Liverpool geboren, wo er heute noch mit seiner Frau Jenny lebt. Er gilt als der bedeutendste Verfasser unheimlicher Literatur in Großbritannien. Niemand wurde öfter mit Preisen für das Genre ausgezeichnet. Schon als Teenager begann er mit dem Schreiben. Als seine erste Sammlung mit Erzählungen im Verlag Arkham House, USA, erschien, war er erst 18 Jahre alt (The Inhabitant of the Lake and Less Welcome Tenants, 1964). Diese Geschichten waren eine literarische Verbeugung vor H. P. Lovecraft, dessen Werke ihn stark beeinflussten. Schon bald entwickelte Campbell seinen eigenen außergewöhnlichen Stil, der ihn berühmt machte und den Stephen King beschrieb als: 'So einmalig Campbell, dass er als sein Markenzeichen gilt'. Der Wahnsinn aus der Gruft enthält 10 der besten Erzählungen Campbells zu H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos und ein Vorwort des Autors.
Ich liebe Lovecraft, da er einen ungewöhnlichen (und gewöhnungsbedürftigen) Schreibstil hat, der HORROR in ganz anderen Dimensionen erzählt. Und dann ist natürlich sein ganz eigener Mythos (der von August Derleth erweitert und zu dem gemacht wurde, was er heute ist, auch wenn Lovecraft immer wieder als "Erfinder" genannt wird ... aber das sind Kleinigkeiten, andere Autoren haben sich des Mythos bedient und ihm ihren eigenen Stempel aufgedrückt). Viele Autoren (auch namhafte, wie beispielsweise Robert Bloch, der Autor von Psycho) haben sich Lovecrfts Schreibstil und/oder Cthulhumythos zu eigen gemacht und mehr oder weniger gute Geschichten im Lovecraftstil geschrieben. Das war zu ovecrafts Lebzeiten so und zeigt auch heute noch welche Faszination der Autor noch heute ausübt.
Ramsey Cambell ist ein bekannter Vertreter des PHANTASTIK-Genres und viele seiner Bücher sind auch in deutscher Sprache erhältlich.
Nun, ob DER WAHNSINN AUS DER GRUFT tatsächlich zu den besten Campbell-Erzählungen gehören, sei dahingestellt. Die Storys stammen größtenteils aus den 60er und 70er Jahren und sind eindeutig dem lovecraftschen Werk zuzuordnen. Es wird viel beschrieben, einiges angedeutet, aber viel bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Nur, so ganz überzeugt hat mich keine der Geschichten. FRANKLYNS BOTSCHAFT hätte mr gefallen müssen, das Thema dort ist ein literarisches, aber der Schreibstil war so sperrig, dass mir der Zugang zu dieser langen und langatmigen Geschichte fehlte.
DAZU GEHÖREN FOLGENDE BILDER stellt eine Beschreibung von Illustrationen dar, die der Verfasser der Geschichte vor Jahren angeblich anfertigte. Keine Handlung, nur eine Beschreibung, die das zu erwartende Grauen vermissen lässt.
Ganz nett, aber nicht unbedingt ein Highlight stellt DIE KIRCHE IN DER HIGH STREET oder DER STEIN AUF DER INSEL dar. Beide Geschichten haben durchaus eine gewisse Faszination, die mir bei den anderen Geschichten abgegangen ist.
Lesenswert und das einzige HIGHLIGHT der Anthologie ist das Vorwort des Autors. Ramsey Campbell erzählt wie er zu einem Fan Lovecrafts wurde und wie er dessen Erzählungen interpretiert und wie er inspiriert wurde eigene Geschichten zu schreiben. Auch gibt er Einblicke in die Entstehungsgeschichten der vorliegenden Storys. Das Buch verliert aber nach dem Vorwort eindeutig an Reiz. Erst wird einem der Mund wässrig gemacht, dann wird man auf dem Trockenen gelassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite werden automatisch über Google personenbezogene Daten erhoben. Diese Daten werden ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Mit dem Abschicken eines Kommentars wird die Datenschutzerklärung akzeptiert.