Donnerstag, 22. April 2021

Stefan Bollmann: Der Atem der Welt (Rezension)

Goethe der Naturforscher – die große Biographie
Einfühlsam und mit großer Erzählkunst zeichnet Stefan Bollmann ein überraschend neues Bild des Dichterfürsten und entdeckt den Naturforscher und Naturschriftsteller Goethe. Eine glänzend geschriebene Biographie, in deren Zentrum seine lebenslange Naturerfahrung und ihre hohe Aktualität für unsere Zeit stehen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war nicht nur als Dichter und Schriftsteller ein Kristallisationspunkt seiner Zeit. Sein umfangreiches literarisches Werk bezeugt eine eingehende Beschäftigung mit Naturforschung und sein Leben ist von einem ununterbrochenen, intensiven Erleben der Natur in allen Erscheinungen tief geprägt und geformt. Souverän erschließt Stefan Bollmann in dieser Biographie dieses lange Zeit vernachlässigte Naturverständnis und vermittelt uns ein überraschend neues Goethebild. Auf einer spannenden Entdeckungsreise durch Goethes Landschaften, seine Texte und Gedanken begleiten wir ihn in Italien, in der Schweiz, beobachten ihn bei seinen Forschungen in Thüringen und im Harz. Wir nehmen teil an seinen geologischen, anatomischen, botanischen und optischen Untersuchungen, werden Zeuge seiner Freundschaft mit Alexander von Humboldt – und verstehen unsere eigene tiefe Sehnsucht nach der Natur neu. Goethe kann uns lehren, unsere Stellung in der Natur neu zu verorten. Eine große Geschichte der Naturwahrnehmung und zugleich ein hochaktuelles Buch, das zeigt, wie Goethes sinnlich anschauliche Erfahrung der Natur auch heute noch Grundlage unserer Humanität und Lebendigkeit sein kann.

Ich kann mich wohl als Goethefan bezeichnen. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich schon viel von ihm gelesen habe (eigentlich kann ich mich nur an den ERLKÖNIG erinnern), aber ich habe gelernt darauf zu achten, wo Goethe seine Spuren hinterlassen hat. Und das ist nicht nur in der Literatur. Goethe war ein vielseitiger Mensch und nicht nur einer der wichtigsten Personen seiner Zeit.
Der Atem der Welt wirft ein Bild von Goethe, das ihm absolut gerecht wird.
Natürlich spielen FAUST, DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER, GERTRUDE VON STEIN und andere Zeitgenossen eine Rolle, aber es wird auch Goethes Interesse an der Natur und vor allem der Gesteine gezeigt.
"Man wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Deutschlands größter Dichter Naturwissenschaftler war." Und wer sich Thüringens Bergwerke und Schauhöhlen anschaut wird fast auf jedem Schritt neben der heiligen Barbara (der Schutzheiligen der Bergleute) auch Goethe finden.
Goethes naturwissenschaftliche Arbeit wurde von den zeitgenössischen Fachkollegen anerkannt und ernst genommen; er diskutierte nicht nur mit Literaten der damaligen Zeit, auch zu Alexander Humboldt hatte er regen Kontakt. In der Fachliteratur wurden seine Schriften, allen voran die Farbenlehre, von Beginn an kontrovers diskutiert; vieles davon kann heute als überholt gelten, aber in vielen Teilen der Naturwissenschaft kann man Goethe als Vorreiter betrachten.
Wie gesagt: Goethe konnte mehr als Literatur, Goethe war ein vielseitig interessierter Mensch und Stefan Bollmann hat eine Biographie geschaffen, die diesem Mann gerecht wird. Aus literarischer und naturwissenschaftlicher Seite.
Und dabei gelingt es ihm Johann Wolfgang sehr lebendig werden zu lassen. Man taucht in seine Zeit ein und glaubt schon fast dabei zu sein, wenn er auf Reisen geht oder Briefe an seine Freunde schreibt und heftig über diverse Theorien streitet.
Lesenswert!

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