Donnerstag, 14. November 2019

Nathan Winters: Das Geheimnis der Madame Yin (Rezension)

1877: Die Pinkerton Detektivin Celeste Summersteen reist mit der jungen Dorothea Ellingsford von Chicago nach London. Vordergründig soll sie das Mädchen zu ihrer Familie zurückbringen, doch ihr wirklicher Auftrag ist heikler: Eine von Dorotheas Freundin­nen wurde ermordet und die Detektivin soll nun den Mörder finden, da Dorothea selbst in Gefahr sein könnte. Allerdings gestalten sich die Ermittlungen schwierig: Das Mädchen schweigt beharrlich und die einzigen Hinweise auf den Mörder sind ein Stück Stoff und eine Haarlocke, die im Mund der Toten gefun­den wurden. Dann findet man die Leiche der Opium­königin des East End in der Themse.
Auf der Suche nach Antworten muss Celeste tief in das verderbte Herz Londons vordringen und dabei ihr eigenes Leben riskieren. Dabei ist Inspector Edwards von Scotland Yard, der ihr bei den Ermittlungen hel­fen soll, alles andere als eine Hilfe. Der hartgesottene Polizist mag es nicht, wenn sich Amateure und dann auch noch weibliche, in seine Arbeit einmischen.

Ich liebe Krimis aus der viktorianischen Zeit. Es muss ja nicht immer Sherlock Holmes sein. Und es muss auch kein Autor sein, der zur damaligen zeit gelebt hat. Auch neuzeitliche Autoren können das viktorianische Flair verbreiten und der zeit ihren eigenen (modernen) Stempel aufdrücken.
Nathan Winters (bzw. Jürgen Bärbig, der sich hinter diesem Pseudonym "versteckt") gelingt es eine moderne Frau im viktorianischen Zeitalter zu beschreiben, denn ich erlaube mir die Vermutung, dass zur damaligen Zeit das von ihm beschriebene Frauenbild eher selten war (und wohl kaum das Interesse einer Leserschaft erlangt hätte).
Die heutige Zeit verlangt aber starke Frauen (egal in welcher Zeit).
Soviel zum Thema Frau in der viktorianischen Zeit.

Das Geheimnis der Madame Yin ist spannend und sehr actionreich. Nie wird es langweilig und die Charaktere sind gut gezeichnet. Vielleicht ist Celeste ein bisschen zu gut in vielen Dingen, aber das hilft ihr nicht immer aus brenzligen Situationen, so dass sie nicht wie eine Superheldin erscheint, aber auch nicht wie eine Frau, die ohne die Hilfe eines Mannes verloren wäre.
Nathan Winters zeichnet ein nebliges, opiumgetränktes London, so wie man es erwartet, und bevölkert es mit einigen zwielichtigen, skurrilen Charakteren, die dem Roman Leben einhauchen.
Tatsächlich fällt es schwer das Buch beiseite zu legen und gegen Ende wird dem Ganzen eine unerwartete Wendung gegeben.
Ein fast perfektes Buch, sieht man davon ab, dass Celeste ein bisschen zu sehr Überfrau ist und auch Nathan Winters sich manchen Klischees bedient.

Trotzdem ... ein vergnügliches Lesevergnügen ist geboten und man freut sich auf die weiteren Abenteuer.

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