Sonntag, 22. Februar 2009

Die Rückkehr der Formorer - Leseproben (1)

Die Liebe eines Vampirs

Er näherte sich ihrem Haus. Sie lief ihm nicht entgegen, wie es sonst ihre Art war. Er sah das Licht in ihrem Zimmer im ersten Stock. Sie stand nicht am Fenster. Er klingelte an der Haustür. Sie wurde geöffnet und ihre Mutter stand ihm gegenüber.
„Ach, Du bist es. Komm doch rein!“
Die beiden begrüßten sich mit einem kurzen Händeschütteln.
„Wo ist sie?“
„In ihrem Zimmer, aber es geht ihr nicht gut.“
„Was fehlt ihr?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht ist es nur eine Erkältung.“
„Hat sie Fieber?“
„Ja.“
„Ich gehe zu ihr!“
Ihre Mutter schloss die Tür hinter ihm und sah ihm nach, wie er die Treppe nach oben stieg. Sie mochte ihn nicht besonders, obwohl er einen sehr netten Eindruck machte. Und dennoch, er war der seltsamste Mensch, den sie kannte. Er kam nur nachts,
nie den Tag über. Seine Haut war so bleich, als ob sie nie das Licht der Sonne erblickt hätte und so kalt wie Stein.
Er saß an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Sie schlief und schien seine Anwesenheit nicht zu bemerken. Sie hatte wirklich Fieber. Auf ihrer Stirn glänzten zarte Schweißperlen und die Züge ihres Gesichts waren verkrampft. Er wusste, dass sie keine Erkältung hatte, die Symptome unterschieden sich. Er spürte etwas, eine fremde Anwesenheit, doch genauer konnte er das nicht identifizieren. Es war sehr beunruhigend.


Das Geheimnis der Wolfensteins

„Werwölfe gibt es schon lange. Als der Mensch auf unserem Planeten erschien und sich der Wolf ihm anschloss, tauchten die ersten unserer Art auf. Ich habe Aufzeichnungen in alten Sprachen, die von Vereinigungen beider Rassen sprachen. Andere behaupten wir, wären Abkömmlinge der Götter.
Ich weiß nicht, woher wir wirklich kommen. Unsere Geschichte unterscheidet sich von der der Menschen. Früher lebten wir abseits der Gesellschaft. Zurückgezogen in eigenen Dörfern, oder wie die Wölfe im Wald. Wir hatten unsere eigenen Kriege, auch gegen die Menschen, aber diese sind so bedeutungslos, dass sie in den menschlichen Geschichtsbüchern nicht erwähnt werden. Wir Werwölfe führten auch blutige Kriege gegeneinander. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts trafen fünf Abgesandte der Wolfsstämme aufeinander, um eine Einigung zu erzielen. Das war der Beginn der Familie Wolfenstein.
Den schwarzen Schafen unserer Familie sind die schrecklichen Legenden zu verdanken, die sich um uns ranken. Deswegen führen wir ein Leben im Verborgenen. Wir achten auf unsere Kinder, denn wenn sie reif sind, wird das Tier in ihnen geweckt. Sind dann Menschen in der Nähe, kommt es zur Katastrophe. Niemals würde ein Werwolf das Fleisch der Menschen essen, doch die erste Verwandlung ist wie ein Schock. Niemand kann während dieser Zeit für seine Taten verantwortlich gemacht werden. Die Menschen sehen das natürlich anders. Zu unserem Glück glauben nur wenige wirklich an unsere Existenz.
Jedenfalls weißt du jetzt, wer wir Wolfensteins wirklich sind.“


Wie der Grumpf auf die Welt kam

Der Grumpf beendete seine Arbeit, kontrollierte die Räume und leerte den Abfall in eine der heißen Rinnsäle, die durch die gesamte Hölle flossen.
Als er die Wohnung des Höllenfürsten verlassen wollte, sah er in die riesige, leicht erzürnte Gestalt des Satans. Mit donnernder Stimme sprach er ihn an: ”Wer bist du, du Wurm?”
Tief verbeugte sich der Putzteufel, ehe er seine Antwort mit zitternder Stimme gab.
“Ich bin tatsächlich nur ein Wurm, Meister. Ich bin der Putzteufel, der für Eure Räume verantwortlich ist.”
Der Grumpf hatte den Blick gesenkt, wagte es nicht, den obersten Regenten der Hölle anzusehen. Der Satan starrte auf den niederen Dämon herab.
“Soso. Du bist ein Putzteufel. Hast du auch einen Namen?”
Seine Stimme klang schon weit weniger erzürnt.
Der Angesprochene nickte.
“Ja, Meister. Man nennt mich Grumpf.”
“Ein guter Name.”
Der Höllenfürst machte eine kurze Pause.
“Ich kann mich an deinen Vorgänger erinnern. Er war kein guter Diener. Ich bin mit deiner Arbeit sehr zufrieden. Ich habe schon jahrhundertelang keinen Schmutz hier vorgefunden. Ich sollte dich belohnen.”
Der Grumpf hielt den Atem an. Der Höllenfürst überlegte einen Augenblick.
“Das ist eine gute Idee”, sagte er schließlich.
“Nun, Grumpf, was kann ich dir Gutes tun?”
Der Putzteufel musste nicht lange überlegen.
“Schickt mich in die Welt der Menschen.”
“Eine seltsame Belohnung. Was willst du dort?”
“Ich habe schon soviel davon gehört, ich will mir ein eigenes Bild machen.”
“Dann soll es so sein. Du darfst auf die Menschenwelt. Aber treib keinen Unfug.”


Tamael

„Warum nur?“
Tamael starrte in den Spiegel, sprach aber mit Amatiel hinter ihm.
„Was ist?“, fragte der Angesprochene und unterbrach für kurze Zeit das Anlegen seines Brustpanzers.
Tamael wandte sich seinem Freund zu.
„Der Krieg. Warum kämpfen Engel gegen Engel?“
Amatiel zuckte mit den Schultern.
„Frag die Erzengel, vielleicht kennen sie die Antwort.“
„Siehst du, du weißt es auch nicht. Es ist so sinnlos. Haben wir nicht andere Aufgaben?“
„Und zwar?“
Amatiel deutete auf den Spiegel, der einen Blick auf die Welt der Menschen freigab.
„Gott ist verschwunden, die Erzengel haben sich in ihre Festungen zurückgezogen und den Menschen sind die Himmel egal. Welche Aufgaben haben wir schon?“, fragte er.
„Das rechtfertigt keinen Krieg“, entgegnete Tamael. „Wir langweilen uns, also schlagen wir uns die Köpfe ein. Das kann es doch nicht sein, oder?“
Amatiel griff nach seinem Schwert und lächelte seinen Freund aufmunternd an.
„Du kannst nichts ändern. Wir folgen den Befehlen der Erzengel, wir hinterfragen sie nicht.“


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